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Diesen Artikel fand ich in der Zeitschrift „Working@Office“, Ausgabe 08/2013, den ich Ihnen, liebe Kunden/innen und Übersetzer-Kollegen/innen, nicht vorenthalten möchte.

Herzlichen Dank an dieser Stelle an die working@office Redaktion (www.workingoffice.de) und an die Autorin Katharina Münk für die Genehmigung zur Veröffentlichung auf meiner Webseite.

Interlinguale Kompetenz
Lost in Translation

Kommen Sie sich auch manchmal vor wie im biblischen Babel, wenn Sie morgens in Ihrem Unternehmen im Aufzug stehen und nach oben gebeamt werden – vielleicht sogar in Türme, die in den Himmel reichen und in denen ein Sprachwirrwarr sondergleichen herrscht? Die Palette ist groß: „Hi, see you, Ciao, asap, aber pronto, face it, null problemo, let’s talk, have a nice day, Mahlzeit.“ Wussten Sie, dass “Hi” auch der Hohlschliff an japanischen Klingen ist? Wie mag sich Ihr japanischer Kollege fühlen, wenn Sie ihn mit “Hi” begrüßen und ihm dabei die Hand entgegenschleudern wie eine Waffe? Ja, die interkulturelle Kompetenz ist eine Lebensmission, und deswegen konzentriere ich mich lieber auf die „interlinguale Kompetenz“. Denn allein die Sprache kann ja mitunter zum absoluten Kommunkationshindernis werden, vor allem, wenn es eine fremde ist.

Bleiben wir beim Aufzug. Stellen Sie sich vor: Montagmorgen. Volle Kabine. Zufalls-Mischung und Blind Date für alle Angestellten einer, sagen wir, national wie international stark aufgestellten Unternehmensberatung: O’Connor, US-Landsmann der zweiten Führungsebene, versucht sich in Smalltalk mit einem ihm unbekannten Mitarbeiter in Windjacke, Gehaltsbuchhaltung, und knipst sein Blendax-Lächeln an: „Oh, where the hell are you working that you are looking so sad on a wonderful day like this?“ Die Beantwortung dieser Frage wäre schon für deutsche Landsleute, die der englischen Sprache mächtig sind, eine echte Zumutung. Der Herr aus der Gehaltsbuchhaltung lächelt verlegen und lässt verlauten: „Good morning. Yes, yes.“ Er ist Jahrgang 1955 und hat in der Volksschule die Einführung von Unterrichtsstunden der englischen Sprache zeitlich knapp verpasst. Er ist ein ausgezeichneter, sehr erfahrener Buchhalter. Er spricht nur kein Englisch, das ist nicht seine Kernkompetenz. Er mag Skandinavien, spricht also für Urlaubszwecke etwas Dänisch, und die südeuropäischen Gemüsehändler in seinem Viertel sprechen fließend Deutsch mit ihm. Und warum O’Connor nicht Deutsch mit ihm spricht, muss er nicht verstehen. Letzterer denkt sich jetzt: „Krauts. How can they do their job if they don’t even speak English?“ Der Buchhalter bleibt gelassen und höflich. Er weiß, dass man es in einigen Jobs zu wahrer Exzellenz bringen kann, ohne auch nur ein Fünkchen Fremdsprachenkenntnis. Lieber eine Sprache richtig sprechen als viele, aber keine wirklich.

Sicher, viele von uns arbeiten in sogenannten globalen Unternehmen, und mindestens zwei Fremdsprachen gehören zum Rüstzeug, zur Selbstverständlichkeit, nach der gar nicht mehr explizit gefragt wird. Aber muss ich deswegen weiterhin lächeln, wenn mir mein französischer Chef, immerhin Geschäftsführer eines deutschen Familienunternehmens und seit Jahren in Deutschland lebend, eröffnet: „Oh, Frau Münk, haben Sie bedankt, für das Geburtstagskuchen. Isch freue mir!“ Nein, ich, Münk, freue mir dann gar nicht und ordne das ein unter „critical incident“. Ich weiß, es gibt französische Landsleute, die ein wunderbares Deutsch sprechen, doch bei diesem Chef nutzen weder Dienstgrad noch Charme, um bei mir sprachlich Land zu gewinnen. Da bin ich deutsch. Ganz deutsch. Ich kann ja mittlerweile damit leben, dass seine Freunde sich mit „Allô?“ melden, wenn sie anrufen und ich mich fragen muss, ob die ernsthaft annehmen, ich würde auch „Allô“ sagen und verbinden, ohne vorher Identität und Grund des Anrufs zu klären. Für die bin ich dann „très pénible“. Immerhin sind wir Deutschen doch stets sehr exakt und versuchen es im Ausland erst gar nicht mit der eigenen Sprache: In einer französischen Boulangerie in den hinteren Ausläufern der Vogesen ist meine Freundin einmal in den Erdboden versunken, als ihr Mann vorne an der Theke sagte: „I want this“ und mit ausgestrecktem Finger auf die Pains au Chocolat zeigte. Und ich habe während eines Sprachurlaubs in Cornwall einmal meinen englischen Gasteltern, die spätabends immer wach blieben, bis ich heimkam, gesagt: „You must not wait for me.“ Worauf die ganz beleidigt antworteten: „And you must not talk to us like that.“ Ja, das war ein Fehler. Und mein französischer Chef hätte jetzt gesagt: “Isch beherrsch Ihres Sprach, aber sie gehorrscht nischt immer.”